Das ländliche Franken ist reich an Orten jüdischer Geschichte. Nachdem viele Juden während des Spätmittelalters aus größeren Städten und Territorien vertrieben worden waren, fanden sie Aufnahme in den kleinen Herrschaftsgebieten vor allem des reichsfreien Adels. Besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchs auch im Gebiet des heutigen Landkreises Haßberge die Zahl der jüdischen Gemeinden deutlich.

Die Gemeinde Untermerzbach ist besonders reich an Zeugnissen jüdischer Geschichte. In den Ortsteilen Memmelsdorf und Gleusdorf bieten die ehemaligen Synagogen Besucherinnen und Besuchern Informationen zur Geschichte der Juden in der Region. In Gleusdorf werden in einer Freiluftpräsentation die Geschichte der jüdischen Gemeinde, ihre Sozialstruktur und ihre frühzeitige Auflösung 1909 mit der Ortsgeschichte von Gleusdorf verknüpft. In Memmelsdorf finden sich in Ausstellungsräumen Informationen zu den Themen Synagogenbau, jüdische Religion einschließlich der Fest- und Feiertage, Ereignisse im Ort im Kontext zur deutsch-jüdischen Geschichte und zur Shoa.

Ein Geschichtspfad verbindet die beiden Standorte miteinander.

Geschichtspfad

zum Fränkischen Landjudentum

Der Geschichtspfad bringt Sie – mit dem Fahrrad oder zu Fuß – zu historischen Orten der jüdischen Regionalgeschichte. Die Hauptroute beginnt an der Synagoge Memmelsdorf, einem der beiden Informationszentren, und führt zumeist auf Feld- und Waldwegen durch die reizvolle Landschaft der Haßberge. Informations-Stelen erläutern die historischen Fakten.

Von der Südspitze des Rundweges aus führt Sie der Weg zum zweiten Informationsstützpunkt, der
ehemaligen Synagoge in Gleusdorf, und wieder zurück. Eine Alternative für Radtouristen ab Memmelsdorf führt über einen Fernradweg im Itzgrund.

Detailkarten zu den unterschiedlichen Alternativen des Wanderweges und der Radversion finden Sie hier.

Synagoge

Memmelsdorf

Am Beispiel Memmelsdorf lassen sich Geschichte und Entwicklung des fränkischen Landjudentums mit einem Schwerpunkt in den Haßbergen von der Mitte des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verdeutlichen. Die im Jahr 1729 fertiggestellte Synagoge Memmelsdorf zählt zu den ältesten erhaltenen Synagogen in Unterfranken und diente der jüdischen Gemeinde von Memmelsdorf 210 Jahre lang als Betraum. Nach der Verwüstung der Synagoge durch SA-Männer im November 1938 und einer jahrzehntelangen Nutzung als Lagerraum und Werkstatt gelang es dem 1993 gegründeten Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf (Ufr.), das Gebäude zu erwerben und behutsam renovieren zu lassen. Seit 2004 kann die ehemalige Synagoge besichtigt werden. Das Gebäude enthält auch eine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes und der jüdischen Gemeinde.

Weiterführende Informationen zur jüdischen Gemeinde, dem Synagogengebäude und dessen Konservierung, zu jüdischen Ritualen und der Shoa, sowie den Veranstaltungen und Angeboten in der Synagoge finden sich unter http://www.synagoge-memmelsdorf.de

Synagoge

Gleusdorf

Die kleine jüdische Gemeinde in Gleusdorf besaß bereits im 18. Jahrhundert eine eigene Synagoge, von der allerdings nur das Bruchstück eines Hochzeitssteins erhalten blieb. 1857 entstand an gleicher Stelle ein neuer Synagogenbau. Dieser wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kaum mehr als Gotteshaus genutzt und 1910 schließlich an einen christlichen Nachbarn verkauft. Das letzte Mitglied der Kultusgemeinde war im Jahr zuvor mit seiner Familie nach Bamberg verzogen. Als Lager und Scheune genutzt überstand die Gleusdorfer Synagoge die NS-Zeit sowie die folgenden Jahrzehnte. Nach einer denkmalgerechten Sanierung ist sie heute wieder zugänglich. Im und am Nachbargebäude dokumentiert eine Ausstellung die Geschichte des Dorfes und der jüdischen Gemeinde.

Die Ausstellung in Gleusdorf ist jederzeit frei zugänglich.

Für eine Synagogenbesichtigung wenden Sie sich bitte an:
Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf (Ufr.) e.V.

Sehenswürdigkeiten

entlang der Route

Pfarrkirche und Gemeindehaus Memmelsdorf ​

An der Empore der barocken Pfarrkirche St. Bartholomäus finden sich zahlreiche neutestamentarische Szenenbilder. Der Nürnberger Künstler Gerhard Mayer ließ sich 2016 von diesen Gemälden inspirieren und schuf in kraftvollen Farben einen modernen Bilderfries für die Fassade des gegenüberliegenden Gemeindehauses.

Burgruine Gutenfels

Die von den Herren von Arnstein um 1100 erbaute Burg Gutenfels war wegen ihrer strategisch ungünstigen Lage bereits 1225 wieder im Abgehen begriffen. Auf ihre Existenz weisen heute noch der ehemalige Halsgraben und einige Mauerreste hin. Einer anderen Theorie zufolge handelt es sich um die Überreste der Burg Welsberg.

Landschaftspark „Gereuther Tannen“

Ende des 18. Jahrhunderts im englischen Stil angelegt, diente der Landschaftspark nördlich von Gereuth der Erholung der adeligen Schlossherren und des gehobenen Bürgertums. Auch der junge Friedrich Rückert vergnügte sich hier im Jahr 1812. An ihn erinnern eine Gedenkplatte und die nach ihm benannten neun „Rückert-Steine“. Außerdem weisen der „Theresienstein“ und der „Einsiedlerstein“ auf den Park hin – der ehemalige Tanzplatz ist nur noch zu erahnen.

Kirche Obermerzbach

Eine der ältesten erhaltenen Sakralbauten der Region ist St. Michael in Obermerzbach. Die in ihren Grundzügen wohl im 12. und 13. Jahrhundert erbaute Kirche wurde im 16. Jahrhundert evangelisch.

Schloss Untermerzbach

Vermutlich stand bereits im Mittelalter eine Burg an gleicher Stelle. Das heutige Schloss wurde im 16. Jahrhundert von den Herren von Rotenhan errichtet und danach mehrfach umgebaut. Die erhöhte Lage über dem Dorf unterstreicht die repräsentative Wirkung und den Herrschaftsanspruch der ehemaligen Besitzer, die als Grafen von Rottenhan 1886 ausstarben.

Judenhof Untermerzbach

Juden lebten hier seit dem 17. Jahrhundert in einem eigenen, engen Wohnbereich. Von 1699 bis 1720 war Untermerzbach Sitz des Rabbiners für das gesamte „Land Grabfeld“. Die einst bedeutende Gemeinde löste sich 1929 auf und die wenigen im Ort verbliebenen jüdischen Personen schlossen sich der Gemeinde in Memmelsdorf an.

Kirche Untermerzbach

Weil die Schlossherren von Untermerzbach im 16. und 17. Jahrhundert zwischen katholischer und protestantischer Konfession wechselten, wurden in der Pfarrkirche ab 1696 Gottesdienste beider Glaubensrichtungen abgehalten. Dieser Grundsatz besteht bis heute: die Untermerzbacher Kirche ist eine Simultankirche.

Schloss Gleusdorf

Schon in einem Lehensbuch aus dem Jahr 1448 wird erstmals ein Schloss in Gleusdorf erwähnt. In seiner heutigen Form wurde das Gebäude 1771 als Vogteiamt des Klosters Banz fertiggestellt und vereint Elemente des Spätrokoko und des Frühklassizismus. Heute ist es eine Seniorenresidenz.

Schloss Lahm (nur Radweg)

Das oberfränkische Lahm war einst ein einträgliches Rittergut im Ritterkanton Baunach. In dem um 1710 in seiner heutigen Form erbauten Schloss residierte die Familie von Lichtenstein.

Schlosskirche Lahm (nur Radweg)

(nur Radweg) – Den Entwurf für die barocke Schlosskirche lieferte der frankophile Schlossherr Adam Heinrich Gottlob von Lichtenstein vermutlich selbst. Für die wertvolle Orgel über dem Kanzelaltar zeichnete hingegen Heinrich Gottlieb Herbst, ein Orgelbaumeister aus Halberstadt, verantwortlich. Seit der feierlichen Einweihung am 4. Mai 1732 blieb die Orgel nahezu unverändert erhalten.

Kontakt

Gemeinde Untermerzbach
Verantwortlich für das Gesamtprojekt Synagoge Gleusdorf
Gemeinde Untermerzbach
Telefon 09533 98090
info@untermerzbach.de
www.untermerzbach.de

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Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf (Ufr.) e.V.
Anfragen für Führungen und inhaltliche Nachfragen:
Telefon Synagoge: 09533 982354
Telefon Iris Wild: 09544 985044
info@synagoge-memmelsdorf.de

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